My Bridge Diary

Abenteuer am Spieltisch

Zwei verrückte Hände Dezember 21, 2008

Gespeichert unter: Clubturnier — minca333 @ 3:48

Hallo!

Eigentlich sollte ich ja lernen, aber eine kleine Pause soll man sich ja auch mal gönnen. Diese Woche habe ich am Dienstag mit Jenny gespielt, und am Donnerstag hat mich mein Peking-Kollege Efe zum Turnier überredet :-) . Es lief eigentlich an beiden Abenden ganz ok, allerdings kamen die guten Scores mehr von den Fehlern der Gegner also von unserer Leistung.

Efe hielt nach folgender Reizung diese Nordhand:

West North East South
1 2 X
p
Qxxx
xx
Qxx
AKQJ

Was hättet ihr lizitiert? Efe hatte eine gute Nase und passte – für +1100. Ich wäre wahrscheinlich ganz fantasielos in 3NT gelandet.

Nun aber die beiden verrückten Hände, zuerst die vom Dienstag:

Dealer N
Vul N/S
Scoring MP
Lead
QTxxxx
Kx
KQxxx
AQJTxxxxx
xx
A
x
Kx
Jxx
xxxx
xxx
xx
AK
Qxxxx
ATxx

Ich eröffnete in Nord 2, für einen Zweifärber mit Unterfarbe, was wohl falsch ist (zuviel Verteidigung, zuviel Stichpotential). Jenny reizte zuerst 3♣ p/c und dann auf 4♠ von West 4NT für die Unterfarbe. Schlussendlich liessen wir aber West 5♠x spielen, ein sehr schlechtes Resultat. Ich bin aber nicht sicher, ob wir nach einer 1Eröffnung tatsächlich Schlemm gespielt hätten (alle andern haben das irgendwie geschafft, und kein Ost hat in 6S verteidigt).

Am Donnerstag dann diese Monsterhand:

KJxxx
AKx
Qxx
Ax
AQxxx
QJxxx
AKx

Nach der 1♠ reizt Ost auf verschiedener Höhe Treff (3-5), und West wird wohl mal unterstützen (an einem Tisch gings zB 1S (3C) 5C (6C) ?). Bei uns sagte Ost 5 an, worauf ich 6reizte. Das ist wohl ein bisschen faul, aber ich wusste nicht, wie ich den Herz/Karo König je herausfinden könnte. Kein Problem, visavis sass ja ein Mann, keine Maus, und so spielten wir dann doch 7♠, wobei Efe auch über 7NT nachgedacht haben will…

Morgen bleibe ich brav zu Hause und lerne, aber Micha wird sicher so einige Hände vom Adventsturnier nach Hause bringen…

 

Samichlous Dezember 7, 2008

Gespeichert unter: Bridge allgemein, Reizung — minca333 @ 7:40
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Guten Morgen!

Bevor ich mich hinter die Bücher setzte und brav für die Prüfungen von Mittag Januar lerne, stelle ich noch einige Hände vom Patton de Noel gestern ein. Micha und ich haben mit Alec und Gabi gespielt, und es lief eigentlich ganz gut. Mit dem 6. Rang sind wir zufrieden, auch wenn im letzten Match etwas mehr drin gelegen wäre: Die Gegner haben nach einem ungenügenden Gebot einen Schlemm aus dem Blauen angesagt, der danke eines Impasses und einem richtig platzierten As gewinnt. Das war ein bisschen Pech, doch wir hatten das Glück zwei Stunden vorher auch mal auf unserer Seite: Micha erhält in 6NT Karoausspiel, das ihm den zwölften Stich schenkt. Am andern Tisch spielt Alec souverän passiv aus, und der Alleinspieler muss eine Dame raten, was er nicht schafft – plus 17!

Was würdet ihr mit der West-Hand ausspielen, wenn die Gegner wie folgt reizen:

West North East South
p 1 p 1
p 1NT p 4
p p p
ATxx
KQT
Txxx
xx

Ich fand König völlig normal, da ich mit zwei Trumpfstichen rechnen kann, und Partner nicht viel für den vierten Stich braucht. Leider hielt der Dummy Bube und die Alleinspielerin das As, so dass 13 Imps verloren gingen. Ist König nicht richtig? (Übrigens hätte ich gerne ein Buch über Ausspiele zu Weihnachten – darin bin ich nämlich wirklich schlecht :-) ).

Micha und ich haben vor langer Zeit mal verabredet, dass nach einem Überruf in einer Oberfarbe der Cuebid im Sprung eine 4er Unterstützung mit einer einladenden Hand verspricht. Ist das eine gute Idee? Oder wie sollte man das spielen? Gestern jedenfalls hat uns diese Abmachung 6 Imps gekostet:

AJxx
Axxx
JTx
xx
KQxxx
Jx
Qxx
QJx


Nach einer 1
Eröffnung von Nord spielten wir 3♠, während die Gegner in 2♠ bremsen konnten. Einfach unglücklich?

Wie soll man die Antwort 3♦/♣ auf eine 2Multi Eröffnung  vom Partner spielen? In unserem System steht momentan „to play“, wie ich gestern entdeckt habe, aber irgendwie macht das nicht so viel Sinn. Fernando schlägt vor, es soll eine konstruktive, aber non forcing Hand zeigen, aber was für Hände sind das genau? Macht es nicht mehr Sinn, das forcing zu spielen? Micha eröffnete gestern 2 (schwache OF, starke UF oder 22-23 balanced) und ich hielt

x
AKT9x
J
AKxxxx

Micha hielt

KJTxxx
xx
Kx
Qxx

3♣ ist eigentlich ein guter Kontrakt, doch dank ♣ 2-2 und 3-3 macht man halt 11 Stiche. Die Gegner landeten nach einer konfusen Reizung in 3NT, das nach dem unglücklichen, aber naheliegenden Karoausspiel 9 Stiche machte.

So, das wärs vom mir, Kommentare sind wie immer sehr willkommen :-) . Häbets guet!
Miriam

 

Simultane Probleme November 27, 2008

Gespeichert unter: Bridge allgemein, Clubturnier — minca333 @ 9:29
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Gratuliere Cedric und Pierre zu eurem Sieg bei der Simultané européen gestern Abend! Jenny und ich wollten auch mal wieder unsere Paarturnierfähigkeiten testen – und waren am Schluss ganz glücklich, dass es überhaupt für über 50% gereicht hat. Das waren wir aber auch nur aufgrund von zwei Boards, in denen wir kontriert wurden und dann ein sehr gnädiges Gegenspiel erhielten.

Diese Hand fand ich schwierig zu reizen:

Dealer W
Vul E/W
Scoring MP
Lead
Qxxx
xx
QJx
JTxx
KTxxxx
KQxx
xx
K
xx
AJTxxx
Kx
xxx
A
x
Axxxxx
AQxxx

Nach (1S) p (1NT) wollte ich eigentlich 4NT reizen, doch die Gegner sind noch nicht im Vollspiel und es kann auch Partner sein, der die Herz hält. Ich entschied mich für 2NT und verschob damit das Problem auf die nächste Runde…

West North East Miriam
1 p 1NT 2NT
p 3 3 4
4 5 p p
p

4♣ mag vielleicht nicht das richtige sein, aber ermöglichte Jenny jetzt, problemlos in 5♣ gegen 4zu verteidigen – und mangels Entry in die Hand macht man sozusagen automatisch 12 Stiche.

In dieser Hand kassierten wir einen eiskalten Nuller und wissen eigentlich gar nicht, was wir hätten dagegen tun sollen:


Dealer S
Vul N/S
Scoring MP
Lead
QTxx
Qxx
Kxxx
xx
Axxx
J
Qxx
Axxxx
xxx
Axxx
xxx
KTx
KJ
KTxxx
AJx
QJx
West Miriam East Jenny
1
X 2 p p
3 p p p

Hättet ihr auf Ost nicht auch 3NT gereizt, wenn Partner so allein auf Dreierstufe rumturnt? Und wer von uns hätte was tun sollen, um 300 oder auch 140 zu sichern?

Und zu guter Letzt noch eine schlechte Verteidigung von mir. Die Reizung geht

West North East South
1 p
2 p 3 p
3NT p p p

Partner spielt ein kleines Herz aus, West nimmt Herz As und spielt Treff As und klein Treff (Partner markiert ungerade Anzahl). Was spielst du auf Süd weiter?

J
KQx
QJxxx
ATxx
A6xxx
Txx
xxx
KJ

Partner hat wahrscheinlich ein Karo- und ein Pikhonneur (zu dritt oder viert?), aber hat er Pik Dame oder König? Meine Überlegungen

  • Das As ist richtig, wenn Partner ein hohes Karo hat und der Alleinspieler Dxx, Kxx, Dxxx, KTxx in Pik
  • Klein Pik ist richtig, wenn Partner ein hohes Karo hat und Alleinspier Kxxx in Pik. Oder wenn Partner kein hohes Karo hat und der Alleinspieler Kxxx oder Kxx in Pik hält und falsch raten wird.

West hielt in dem Fall As-König und Pik Dame zu dritt. Klein Pik zurück war kein Erfolg…

Am Sonntag geht’s weiter mit der Swiss Trophy in Zürich. Bis dann!

 

Nie mehr 4 Pik November 19, 2008

Gespeichert unter: Clubturnier — minca333 @ 5:07
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Hi!

Gestern war nicht grad ein erfolgreicher Abend, das macht aber nichts. Ich bin doch tatsächlich viermal in (freiwillig angesagten) 4 Pik downgegangen :) . Jenny wollte mir schon verbieten, die Piks überhaupt noch zu reizen…

Diese Hand war kein Erfolg:

T
AQ4
KJ842
AK54
AQJ6
J6
T96
J963
blond1 North blond2 South
1 p p
2 p p p

West befürchtete, dass Ost auf ein Kontra in Pik springen würde. Ost erwartete keine so starke Hand für 2♦ und fand, dass West auf eine Pik-Ansage ja dann NT auf entsprechender Höhe ansagen könne…

In der letzten Hand musste ich auf Nord ausspielen mit

JT
Q76
K84
KQ652
West North East South
p
1 p 1 p
1 p 3 p
3NT p p p

Ist Treff-Ausspiel wohl evident? Ich fand es nicht so klar, mit der vierer Farbe im Dummy. Und Pik ist sicher gefahrlos, im Paarturnier. Na ja, die Alleinspielerin ratterte sehr schnell 13 Stiche herunter, da sie dank noch lebendem Treff As alle Impässe riskieren konnte:

Dealer S
Vul N/S
Scoring MP
Lead J
JT
Q76
K83
KQ652
AK83
32
QJT963
A
5
AKJ98
A52
9743
Q997642
T54
7
JT8

Grad sehe ich, dass die smarte Verteidigung darin bestehen würde, den Karokönig zweimal zu ducken, da neben Treff As kein Entry in die Hand mehr besteht.

Jetzt ist erst mal eine Woche Bridgepause. Toitoitoi allen 3. und 4. Ligateams, die am Wochenende spielen!

Miriam

 

Nach 2 Treff Überruf November 18, 2008

Gespeichert unter: Reizung — minca333 @ 3:50
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Guten Morgen!

In dieser Hand haben Micha und ich am Sonntag 11 Imps verloren:

Qx
KQxx
KJxx
xxx
Kxx
ATxx
ATxxx
x

Die Reizung verlief

West N:Micha East S:Miriam
1
2 3 X 3
p p p

Wir waren uns über einige Dinge nicht einig :-) . Verspricht 3♣ ein Rebid oder nicht, und was bedeuten die 3♦ genau? Soll ich jetzt 3♥ reizen, oder verspricht das Extras? Verspricht 3♦ auch schon Extras, weil ich mit einer balancierten schwachen Hand einfach passen könnte? Und was, wenn Ost nicht kontriert?


Ganz allgemein sollte die Partnerschaft diskutieren, ob nach 1( 2♣) x beide Oberfarben verspricht oder ob 3 eine Oberfarbe verneint. Ist 3in der folgenden Reizung forcing, oder entspricht das genau der Nordhand vom Beispiel?

West North East South
1
2 X p 2
p 3

Die Hand 2 in „Übungen im Paarturnier“ vom Novemberbulletin ist ganz ähnlich wie die hier gezeigte, aber dort wird folgendes Problem nicht angesprochen. Wenn Nord kontriert, und Ost die Treff hebt, was soll Nord jetzt tun? Muss Süd auf 3♣ immer seine Oberfarbe reizen (wenn er eine hat), auch mit Minimum?

West North East South
1
2 X 3 ?
p ?

Hier die Nordhand aus dem Bulletin:

TX
AJXX
AKXX
JXX

Wahrscheinlich muss Nord erneut kontrieren und dann auf 3♠ 4 reizen.

Wir haben jedenfall wieder einmal etwas zu diskutieren… Heute Abend spiele ich zum ersten Mal seit Peking wieder mit Jenny. Mal schauen, ob ich mich an den polnischen Ohne noch erinnern kann :-) .

Tschüss, Miriam


 

Die ganze Hand November 18, 2008

Gespeichert unter: Allgemeines — minca333 @ 3:27
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Vielen Dank für eure Kommentare und die Gratulationen. Per Mail haben mir auch einige geantwortet, und alle waren der Meinung, dass das „im Team ein klares Pass“ ist. Auch mir käme es überhaupt gar nicht in den Sinn, etwas anderes zu tun ausser zu passen, denn das Risiko ist einfach zu hoch: Geht es down, gewinne ich 50, erfüllt der Gegner, verliere ich 400 oder so. Leider seid ihr alle ganz anders als der durchschnittliche Zweit-Liga-Spieler :-) , denn das Appealkomitee war anderer Meinung.

Dima ist einfach schon zu lang im Geschäft :-) und hat das Problem erkannt: Der 1NT Eröffner hat vor seinem letzten Pass sehr lange gezögert, und die Reizung endete dann so:

Romain North Olivier South
p p 1NT
X p 2 p
2 3 3 ….p
p X p p
p

3ging 2 down, der Schiedsrichter hat aber das Kontra kassiert. Das Appealkomitee unterstützte zuerst die Meinung des Schiedsrichters, liess sich aber dann überstimmen. Das Kontra sei völlig automatisch („Unsere Seite hat 22 Punkte, der Gegner nur 9 Trümpfe“) und bleibe selbstverständlich bestehen, meinten sie. Wir konnten das nicht glauben… Zum Glück ging es schlussendlich nicht um diese 2 Victory Points. An Michas und meinem Tisch landeten die Gegner in einem abstrusen 2Kontrakt, nachdem West einen roten Zweifärber gezeigt hatte. Die ganze Hand:

Dealer N
Vul N/S
Scoring Imp
Lead
KT4
JT6
K8
T9843
Q
9542
AJ7542
52
J8753
K7
T96
AQ6
A962
AQ83
Q3
KJ7
 

Erste Liga und Appeal-Fall November 17, 2008

Gespeichert unter: Bridge allgemein — minca333 @ 9:02
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Hallo!

Lang ists her, seit ich hier geschrieben habe… Ich habe es immer noch nicht geschafft, einen Bericht vom zweiten Teil unserer Chinareise zu verfassen, aber vielleicht kommt das noch. Der Grund für dieses Posting ist aber ein ganz anderer:

Wir – also Bern III, mein Ligateam mit Caroline, Olivier, Romain und Micha – sind in die erste Liga aufgestiegen! Juhui!

Wir haben an den letzten beiden Wochenenden 6 von 7 Matches gewonnen, und einige davon mit über 20 Victory Points. Das hat dann gereicht für den mit Abstand ersten Gruppenrang, und deshalb werden wir nächstes Jahr in der ersten Liga mitspielen. Wir sind sehr glücklich, weil wir damit unser sehr erhofftes Ziel erreicht haben.

Ich möchte euch gerne eine Hand zeigen, die am Samstag Nachmittag für grosse Aufregung sorgte: Es geht um einen Schiedsrichterfall, der am Tisch für uns entschieden wurde. Das gegnerische Team verlangte einen Appeal, und es gab ein grosses Tamtam, bis ein Komitee gefunden war. Mit dem Schlussentscheid waren wir gar nicht einverstanden. Sagt mir doch, was tut ihr mit folgender Nordhand

KT3
JT2
K3
T9832

wenn die Reizung (NS rot, EW grün, Team) so verläuft

West North East South
p p 1NT
X p 2 p
2 3 3 p
p ?

1NT ist 15-17, x ist ein Einfärber, 2 ein Relais. Mit dem 3♣ müsst ihr euch abfinden :-) .

Und was, würdet ihr erwarten, tut ein durchschnittlicher Zweit-Liga-Spieler?
Die ganze Hand gebe ich euch morgen, jetzt bin ich gespannt auf Kommentare… Übrigens habe ich vor, den Blog jetzt wieder öfter mit interessanten Händen zu füttern, also klickt am besten ganz unten RSS an, um auf dem Laufenden zu bleiben…

PS: Herzliche Gratulation auch ans Team Bern I, das souverän den Wieder-Aufstieg in die erste Liga geschafft hat! See you next year :-) .

 

Bilder Stadion, Sommerpalast, Schlussfeier Oktober 26, 2008

Gespeichert unter: Allgemeines — minca333 @ 10:00

Da ich grad so dabei bin, Bilder zu verkleinern, kommen hier noch Eindrücke aus unserem Besuch im Birdsnest Stadium, im Sommerpalast und zwei patriotische Fotos von der Flagge an der Schlussfeier:

 

Xian, die Kaiserstadt Oktober 26, 2008

Gespeichert unter: Allgemeines — minca333 @ 9:43

So, ich habe grade ein ausgezeichnetes Wildmenü genossen und werde jetzt mal die Erlebnisse der letzten Woche aufschreiben.

Früh morgens am 19. Oktober brachte der Shuttlebus Georg, Efe, Jenny, Beda und mich an den Pekinger Flughafen, von wo aus wir in knapp zwei Stunden nach Xian flogen, der historischen Stadt in der Mitte Chinas. Dort erwartete uns Lee, eine junge chinesische Reiseführerin, und ein Fahrer inklusive Kleinbus. Lee sprach recht gut Englisch, nur hatte sie manchmal Mühe, unsere Fragen zu verstehen. Trotzdem genossen wir es sehr, für eine Woche sozusagen eine „Dolmetscherin“ bei uns zu haben, die uns Schilder, Speisekarten und auch sonst ganz vieles übersetzen konnte.

Xian war 600 Jahre Chinas Hauptstadt, weshalb in der Umgebung sehr viele Kaiser- und andere Gräber liegen. Das Gebiet wird auch Schatzkammer genannt, da spektakuläre Funde an der Tagesordnung sind. Die Chinesen glaubten an ein Leben nach dem Tod, weshalb die Gräber der Mächtigen mit einem ungeheurem Vielfalt an Gegenständen ausgestattet wurden. Direkt vom Flughafen fuhren wir das kürzlich eröffnete Museum beim Grabhügel des Kaisers Jing aus der Han Dynastie (ca. 140 bc) Mit neckischen Plastiksäcken über den Schuhen konnte man dort auf Glasscheiben über die Grabgräben spazieren und die Grabbeigaben betrachten: Allerlei Tiere, Kutschen, Lebensmittelgefässe und vor allem hunderte Puppengrosse Krieger ohne Arme (die waren aus Holz und sind lange verrottet). Eindrücklich!

Zwei Stunden lang führte uns Lee durch das Shanxi Historical Museum, das die chinesische Geschichte seit der Steinzeit dokumentiert. Unglaublich, wie weit entwickelt die Kultur in diesem Land schon zu sehr alten Zeiten war. Zum Abendessen brachte Lee uns in ein ausgezeichnetes Restaurant, wo wir hervorragend assen. Zum ersten Mal bestellten wir unter anderem Sizzling Beef, eine Spezialität aus dünnen Rindfleischstreifen, Peperoni und Zwiebeln, die brodelnd auf einer heissen Platte serviert wurde. Das wurde mein absolutes Lieblingsgericht in China, und am letzten Tag im Kochkurs lernte ich es sogar selber kochen. Ein Bild von unserem Abendmahl seht ihr unten.

Bei strömenden Regen fuhren wir am Tag darauf von unserem ansprechenden Hotel zum weltberühmten Grab des Kaisers Qin (210 bc), des Kaisers, der als erster über ganz China herrschte. Er war ganz schön grössenwahnsinnig: Sein Grab erstreckt sich über die Fläche von 56 Quadratkilometer und wurde damals von 700 000 Arbeitern erstellt und ausgestattet. Neben einer grossen Anzahl Pferde und Kutschen wurden im Grab auch über 8000 Terracotta Krieger in Überlebensgrösse (über 1.80 Meter, bis zu 300 Kg schwer) aufgestellt, alle gekleidet in Seide und ausgestattet mit echten Waffen. 1974 entdeckten Bauern zufällig beim Graben eines Brunnens die Überreste eines solchen Kriegers, und seither pilgern Tausende Touristen nach Xian. Einer der Bauern von damals, Mister Yang, sitzt übrigens heute noch jeden Tag (!) im Museumsshop und signiert Bücher.

Die Krieger, einige noch in Scherben, andere in einem aufwendigen Puzzle wieder zusammengesetzt, können in drei grossen Hallen besichtigt werden. Ein aufwendig gemachter Film bringt einem zudem die Entstehung des Grabs und die Verhältnisse in China vor dem Jahre Null näher. Ich war wirklich beeindruckt von diesen uralten Figuren, von denen keine der anderen gleicht.

Zum Glück war das Wetter ein bisschen besser geworden, so dass wir zur geplanten Velotour auf der Stadtmauer von Xian aufbrechen konnten. Die Mauer, fast 20 Meter breit und oben vollständig flach, führt rund um die Altstadt und ist etwa 14 Kilometer lang. Jenny und ich waren bereit, unsere Partnerschaft auf eine weitere Probe zu stellen und mieteten uns ein Tamdem. Das gemeinsame Pedalen klappte ganz hervorragend, und wir genossen es, uns nach dem wochenlangen Sitzen wieder einmal zu bewegen. Zum Znacht liessen wir uns von einem Tipp des Hotelrezeptionisten leiten und wurden wiederum nicht enttäuscht. Diesmal war allerdings die Auswahl des Essens etwas schwieriger, da die Menukarte nur auf chinesisch verfasst war. Immerhin halfen uns die Bilder etwas weiter J. Die drei Männer gönnten sich noch eine sogenannte Thai-Massage, die allerdings wohl eher schmerzhaft war, während Jenny und ich Schlaf tankten – wir mussten nämlich anderntags schon um 5 Uhr morgens los, um unseren Flug zu erwischen…

 

Sweet Home Oktober 26, 2008

Gespeichert unter: Allgemeines — minca333 @ 9:35


Hallo! Es ist sieben Uhr morgens und ich kann nicht mehr schlafen… Das ist mir schon lange nicht mehr passiert! Nach dieser sehr aufregenden Woche voller Eindruecke und vor allem nach der langen Reise war ich gestern so muede, dass ich (zu) früh zu Bett ging, weshalb jetzt der Jetlag zuzuschlagen scheint. Na ja, ich nutze die Zeit, um euch ein wenig zu berichten vom gestrigen Tag. In der naechsten Zeit werde ich dann auch Eindruecke aus Guilin und Xian niederschreiben, und natuerlich kriegt ihr Fotos. Die Einträge könnten ziemlich lang werden, denn ich möchte auch für mich die Erinnerungen festhalten.

Unsere Reise begann am Freitag um 13 Uhr mit der langen Fahrt von Yangshuo zum Flughafen in Guilin. Ueber drei Stunden vor Abflug waren wir bereits beim Checkin, wo leider ein sehr prinzipientreuer Chinese sass, der gar keine Nachsicht fuer unsere schweren Koffer hatte. Kleider fuer fast 4 Wochen, 13 Bridgebulletins und viele Souvenirs ergaben satte 29 Kilo für mein Gepäck. Lola, unsere chinesische Führerin, meinte, ich solle doch einfach einiges ins Handgepäck umpacken, um die Zuzahlung zu vermeiden. Nur blöd, dass der Check-in-Mensch meinen Koffer bereits auf dem Fliessbahn hat davon fahren lassen. Nach langem Hin und Her rückte er schliesslich einen kleinen Zettel raus, mit dem Lola und ich dann durch den halben Flughafen rannten, auf der Suche nach dem Gepäckraum. Schliesslich liess sich ein Securitymann überreden, meinen Koffer wieder rauszurücken, damit ich umpacken konnte. Leider war der Gepäckschalter gleich neben dem Ankunftsgate, so dass rund 200 wartende Chinesen sich um mich scharten und ungeniert zuschauten, wie ich mit rotem Kopf in meinen Sachen wühlte, um alles schwere in den Rucksack umzuschichten…

Mit rund 15 Kg auf dem Rücken spazierte ich dann ganz locker und lächelnd durch die Security, unter den grossen roten Bannern durch, die verkündeten, dass das Handgepäck maximal 5 kg wiegen sollte. Es ging alles gut, und wir waren auch pünktlich am Abfluggate, ganz im Gegensatz zum Flugzeug. Das sei nämlich wegen Traffic conjestion (Orginalanschrift!) noch an seinem Ausgangsort stecken geblieben, weshalb sich unser Abflugzeitpunkt um unbekannte Dauer verschob. Da das einzige Restaurant in der Abflughalle für eine Tasse Tee 60 Yuan berechnete, rund zehnmal den Normalpreis und umgerechnet etwa 10 Franken, blieb uns nichts anderes übrig, als uns am Kiosk mit Keksen und Mentos einzudecken und die Zeit mit Bridgespielen zu vertreiben. Wir hatten zwar zum Glück in Peking zum Umsteigen 6 Stunden Zeit eingerechnet, wurden aber trotzdem langsam etwas nervös. Denn da wir mit zwei verschiedenen Fluggesellschaften flogen, würde unser Air China Flugzeug nach Frankfurt sicher nicht auf uns warten.

Endlich, nach 20 Uhr statt um 17 Uhr 30, starteten wir zum dreistündigen Flug von Guilin nach Peking. Dort mussten wir zuerst mal vom „alten“ Terminal 1 zu der niegelnagelneuen, glitzernden Halle des Terminal 3 kommen, was doch auch relativ lang dauerte, unsere Koffer wieder umpacken und schliesslich einchecken. Da es mittlerweile nach 1 Uhr nachts war, waren fast alle Geschäfte im Flughafen geschlossen und wir suchten verzweifelt eine Möglichkeit, unsere letzten Yuan loszuwerden, die man in der Schweiz nicht zurücktauschen kann.

Flughafenhalle

Flughafenhalle

Voll bis auf den letzten Platz hob das Flugzeug pünktlich ab, und lange 10 Stunden Flug mussten irgendwie durchgebracht werden. Das Filmangebot hatte sich in den vier Wochen nicht verändert, so dass mir nichts anderes übrig blieb als zu schlafen. Ich glaube, so 3, 4 Stunden Schlaf habe ich trotz unbequemen, engen Sitzen (die Chinesen sind alle so klein!) und lauten Motoren hingekriegt. Um 4 Uhr morgens gingen die Lichter an, und ein köstliches Frühstück wurde serviert: Reis und Fisch! Mir wurde allein vom Geruch schlecht. In Frankfurt führte deshalb unser erster Gang zum Bretzelstand, mmmh!

Noch vier Stunden Zugfahrt bis Zürich, dann war die 27-stündige Reise endlich zu Ende. Ich war natürlich sehr glücklich, Micha wiederzusehen, und auch über den grossen Teller Pasta mit Tomatensauce habe ich mich sehr gefreut. Drei Maschinen Wäsche sind bereits gewaschen, 120 Emails gelesen und 5kg Post habe ich auch durchgeschaut. Jetzt geht’s ans Sortieren der 450 Fotos. Zuerst aber freue ich mich auf ein grosses Frühstück mit viiiiiiiel Käse!

Bis später,

Miriam