Auf dem Bild links (aufgezählt von rechts): Efe, Beda, Jerome, Jenny, Georg und Miriam
Die Spiele haben begonnen! Oktober 4, 2008
Nach der Eröffnungsfeier war ich wirklich so richtig nervös und wünschte mir, jetzt endlich mit dem Bridge beginnen zu können. Zuerst aber wollte ich mich bei euch melden, doch das war gar nicht so einfach: Dank Cedrics Computer können wir zwar den Internetraum im Hotel benutzen, doch nur von 16 bis 24 Uhr. Und es dauerte eine halbe Stunde, bis eine stabile Verbindung bestand. Als ich schliesslich loslegen wollte, stellte sich heraus, dass die chinesischen Behörden ganz wordpress.com blocken – ich kann also nicht einfach so Beiträge schreiben. Via Server der ETH gelang es mir dank Georg (Merci!!), doch einen Text zu platzieren, doch die Bilder scheiterten an der komplizierten Verbindung. Jetzt setzte ich ganz auf die Hilfe meiner Familie, die meine gemailten Texte online stellen. Ich möchte euch wirklich gerne teilhaben lassen an diesem einmaligen Erlebnis und den Blog weiterhin häufig aktualisieren.
Zum Glück haben wir jetzt wenigstens im Gebaude, wo die Matches stattfinden, wireless internet, so dasss wir nicht die hohen Hotelpreise bezahlen müssen.
Wir hatten bei der Auslosung Glück gehabt und trafen als erstes auf das kenianische Team. Jenny und ich traten im Open Room (da gibt es Zuschauer) an, Cedric und Jerome im Closed. Die Spieler sitzen alle hinter Screens, das heisst, ich sehe Jenny nicht beim Lizitieren und Spielen. Das ist eine sehr effiziente Massnahme gegen Betrug
(den wir natürlich nie begehen würden).
Die Kenianer stellten sich als 14 und 16 jährige Brüder heraus, die erst sein ein paar Monaten Bridge spielen. Entsprechend war dann auch das Resultat: 25:0 für uns, und wir standen zum ersten und wohl einzigen mal ganz zuoberst auf der Rangliste! Genau richtig für einen positiven Start ins Turnier – ich war auch gleich viel weniger aufgeregt.
In der nächsten Runde gegen Portugal kamen Georg und Efe zum Einsatz, und leider lief das Spiel diesmal eher gegen uns, respektive die andern machten viel weniger Fehler. 2:25 hiess es, und wir waren gaaaanz schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen. Leider erhielten wir auch noch Zeit-Strafpunkte, da hier wirklich streng innerhalb der vorgegebenen Zeit gespielt werden muss.
Weiter gings nach einer kurzen Pause gegen Australien, ganz nette Jungs. Der eine hat mir die ganze Zeit Geschichten erzählt von seinen Eltern, seiner Arbeit und so weiter. Wir spielten eigentlich ganz ok, konnten aber keine Imps herausholen. Zum Glück konnten Cedric und Jerome einmal +2000 schreiben, und 7Treff – 1 ist auch immer ein ganz angenehmer Score, wenn man auf der Plus-Seite sitt. Schlussendlich gab das 15:15, womit wir ganz zufrieden sein können. Und Bedas Vorgabe, immer Durchschnitt zu spielen, hatten wir damit auch fast umgesetzt…
Das Fazit nach dem ersten Tag ist, dass sich die Teams extrem unterscheiden, was ihre Spielstärke angeht. Wenn wir so weiter spielen, sollten wir eigentlich weiterhin in der Mitte bleiben können. Drückt uns also die Daumen, morgen gehts weiter gegen Estland!
Die Feier Oktober 4, 2008
Nur zwei Tage seit dem letzten Post, und so viel ist passiert… Den Freitag gingen wir ganz gemütlich an, schliefen lange aus und trafen uns dann zur Teambesprechung. Vom Jetlag merkten wir zu diesem Zeitpunkt gar nichts mehr, der frühe Anflug hat sich also wirklich gelohnt. Unser Captain/Coach versorgt uns mit wichtigen Tips zu Strategie und Benehmen: Wir sollen einfach ganz normal spielen, jeder Punkt zählt, keine knappen Kontras und so weiter. Wir sprachen zum letzten Mal ungewohnte „Konventionen“ wie schwache 1NT durch und spielten konzentriert einige Hände. Nach dem Captainsmeeting konnte er uns dann auch mitteilen, wie die Organisation der Matches laufen wird. Wir erfahren immer erst kurz vor dem Match, wer unsere Gegner sind und welches System sie spielen. Jede gespielte Hand wird sofort in die sogenannten Bridgemates (kleine Computer) eingegeben, so dass unmittelbar nach dem Match das Resultat feststeht. Und das allerwichtigste: Bevor man aufs WC geht, immer den Schiedsrichter um Erlaubnis bitten!
Unsere Tickets für die Eröffnungsfeier hatten wir gleich in dreifacher Ausführung, da mehrere Teammitglieder dachten, sie würden sich mal für alle eindecken. Eine besondere Ehre erhiehlt Cedric: Er durfte die Schweizer Fahne zum Einmarsch tragen! Das hiess für ihn aber auch, bereits um 17 Uhr ohne Znacht bereitzustehen, denn so ein Einlauf muss ja in China auch geübt werden… Wir anderen bedienten uns gemütlich am Buffet, bevor wir mit den übrigen 120 Juniorenteams um 18 Uhr in Shuttlebuse verfrachtet wurden. Die Fahrt zum Stadion dauerte gute 10 Minuten, was bedeutete, dass wir 1.5 Stunden bis zum Beginn auf unseren Plätzen warten mussten. Für Cedi waren es dann halt 2.5 Stunden, denn sobald die Flaggen verteilt waren, gab es auch für die sogenannten „Delegates“ nichts mehr zu tun. Tja, in China ist man halt lieber ein paar Minuten zu früh als zu spät
.
Die Feier im sogenannten Beijing Indoor Stadium begann mit dem feierlichen Einmarsch aller 143 Länder, echt ein ganz toller Anblick. Dann hatten vier herausgeputze Soldaten ihren grossen Auftritt, als sie die Chinesische Flagge hineintragen und zu Hymne hissen durften. Auf nichtssagende Reden von drei wichtigen Männer wurden die 1st World mind sports games feierlich für erröffnet erklärt, und ein Athlet und eine Schiedsrichterin schworen symbolisch für alle Teilnehmer den olympischen Eid. Übrigens lautet das Motto der Spiele „Civilisation varied, wisdom unbounded“, und ich brauche wohl noch einige Tage, um zu kapieren, was das bedeuten soll.
Der zweite Teil der Feier wurde von verschiedenen Tanz- und Akrobatikgruppen gestaltet, die symbolische Werte und Geschichten darstellten. Sowieso ist hier alles immer sehr hochtrabend und tiefsinnig, und so habe ich auch die Botschaft der Darbietungen nicht so ganz verstanden. Aber schön anzuschauen waren sie! Abschliessend wurde das mitgebrachte Wasser aus Flüssen von allen fünf Kontinenten mit chinesischem Wasser vermengt, und es erklang die Hymne der Mind Sports Games.
Alles in Allem war es ein sehr feierlicher Anlass, und das Gefühl, Teil einer solchen völkerübergreifenden, friedlichen Veranstaltung zu sein, war wirklich zu spüren. Ich war jedenfalls ganz gerührt, als Cedric die Schweizer Flagge inmitten all der andern schwang.
Ok, ich werde gleich mehr schreiben, v. a. über die ersten Matches und die Internet probleme, aber das gehört in einen neuen Artikel. Schicke auch gleich noch Fotos von der Eröffnungsfeier.
Danke nochmal für eure Hilfe! Ich habe schon viele positive Rückmeldungen zum Blog erhalten und möchte ihn deshalb wirklich gerne weiterführen. Schliesslich bin ich mega privilegiert, hier dabei zu sein, und möchte euch etwas teilhaben lassen.
Yipie, wir sind OZ-Team-Meister! September 29, 2008
Sooo, noch 18 Stunden bis zum Take off, und ich bin so richtig aufgeregt…
Hier kommt noch die gute Nachrichte vom Wochenende: „Mein“ Team (Gabi, Jenny, Alec, Marcel, Micha und ich) ist soeben Ostschweizer-und-Zürcher-Teammeister geworden! Nachdem wir letztes Jahr bei der ersten Teilnahme in die A-Gruppe aufgestiegen sind, haben wir dieses Jahr 6 von 7 Matches und damit den Wettkampf gewonnen. Mehr Infos gibt es hier.
Ich schulde euch noch die gesamte Hand vom vorderen Post (sorry, hätte den ganzen Dummy schon vorher posten sollen). Kontrakt 5H.
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Ich kann verstehen, dass man mit der Nordhand nicht 3S sagt, das ist Stilfrage. Ich glaube,
Dame ist die richtige Karte auf
As Ausspiel, man will unbedingt einen Klein-Pik-Shift für den Karoschnapper. Und single kann die
Dame ja wirklich nicht sein, dann hätte P ja fünf
und sicher nicht 2
gesagt.
Das nächste Mal melde ich mich hoffentlich schon aus China – dann wahrscheinlich mit etwas weniger Bridge, dafür mehr Abenteuer
.
Drückt mir die Daumen für einen glatten Flug,
Miriam
Vorbereitungen… September 24, 2008
Ni hao!
Seit ich Anfang dieses Jahres erfahren habe, dass ich im Oktober zum Bridge spielen nach China reisen werde, habe ich nicht nur
- ungefähr 100 Websiten von Tour Operators nach guten Angeboten durchsucht
- den halben Lonely Planet auswendig gelernt
- 2 Krimis über einen melancholischen chinesischen Hauptkomissar gelesen
- meine Spaghetti nur noch mit Stäbchen gegessen
sondern natürlich auch viel Zeit ins Bridgetraining investiert. Jenny und ich haben uns auf ein ziemlich natürliches System mit einigen Gadgets geeinigt und dieses so oft wie möglich in Clubturnieren ausprobiert. Besonders lehrreich war ein Trainingswochenende mit dem gesamten Team, bei dem uns Dima und Fernando viel beigebracht haben. Als Beispiel mal eine interessantes Ausspielproblem:
Die Hand stammt aus dem Teamturnier in Lugano (wo ich leider nicht dabei war). Die Reizung verlief mit dem rechten Gegner als Teiler
(1H) 1S (x) 2S
(3D) 3S (4H) 4S
(p) p (5H) ap
Was spielst du aus mit folgender Hand?
Die erste Idee ist es, klein Pik zu Partners König auszuspielen und dann Karoschnapper und Treff As zu kassieren. Aber was, wenn der Partner Treff- statt Pik-König hält? Ich glaube, es ist richtig, Treff As auszuspielen. Dummy hält JTxxx in
und Single
, was spielst du weiter, wenn Partner die
9 oder die
Dame legt?









